Logistik von Großprojekten. Ein Artikel von "Kommersant"

Kontinuierliche Modernisierung der russischen Industrie hält die Nachfrage nach Dienstleistungen von Projektlogistikern aufrecht 

Der Anteil des Projektlogistiksegments – der Lieferung von schweren Ausrüstungen für den Bau großer Industrieanlagen – am Gesamtvolumen des globalen Logistikmarktes beträgt nur etwa 5%, ist aber ein wichtiger Indikator für die globale industrielle Entwicklung. Nach Ansicht der Marktakteure hat die Coronavirus-Pandemie die Fristen mehrerer großer Infrastruktur- und Industrieprojekte „nach rechts verschoben“, was sowohl die Anbieter von High-Tech-Ausrüstung als auch die Endkunden betraf.

Für Experten der Projektlogistik sieht die aktuelle Situation jedoch nicht dramatisch aus. Wadim Rosenstein, der Gründer und CEO des deutschen Unternehmens WR Group (seine Firma liefert ausländische High-Tech-Ausrüstung an russische Großunternehmen), erzählte dem „Kommersant“, dass die Projektlogistik, wie auch der gesamte B2B-Sektor, weniger von der gesellschaftlichen Stimmung abhängig ist; die makroökonomischen und geopolitischen Bedingungen seien für ihn wichtiger.

Gleichzeitig sei der Einfluss dieser Faktoren heute unterschiedlich, stellt er fest und führt als Beispiel aktuelle Ölkurse an. „Es gibt eine positive Reaktion auf Ölpreisschwankungen - niedrige Preise motivieren zur Geschäftsentwicklung in Russland. Andererseits destabilisiert ein sprunghafter Anstieg des Wechselkurses die Geschäftsprozesse auf dem russischen Markt. Das ist eine Art von Spagat“, analysiert Wadim Rosenstein, der Geschäftsleiter der WR Group, die Situation im Segment der internationalen Projektlogistik.

Mit Liebe nach Russland 

Russland führt bereits seit mehreren Jahren einen Prozess der Importsubstitution aktiv durch, staatliche Programme zur Entwicklung der einheimischen Industrie und der Transportinfrastruktur werden umgesetzt. Große Anlagen und Fabriken, von denen viele „auf der grünen Wiese“ gebaut werden, werden mit Unterstützung der Regierung modernisiert. Allein im letzten Jahr wurden auf dem russischen Markt mehr als 200 Industriekomplexe und Betriebe aus verschiedenen Branchen in Betrieb genommen. Im Jahr 2019 realisierte die WR Group erfolgreich die Projekte zur Lieferung von Großausrüstungen nach Russland für eine Flüssiggasproduktionsanlage in Vysotsk (LNG Vysotsk), eine Tissuepapier-Produktionsanlage in der Region Kaluga und eine Salzgewinnungs- und -produktionsanlage in der Region Tula, in deren Rahmen die Unternehmensgruppe für Projektlogistik, Zertifizierung und Zollabfertigung zuständig war.

Solche großen Industriekomplexe umfassen in der Regel eine Reihe komplexer technologischer Anlagen, die erst am Produktionsstandort montiert und erst dann zur Baustelle des zukünftigen Betriebswerkes geliefert werden können. Einige Materialien und Komponenten solcher Anlagen werden in Russland auf der Grundlage von Lizenzen führender Weltfirmen und einheimischer wissenschaftlicher Entwicklungen hergestellt, aber ein bedeutender Teil der technologischen und Hilfsausrüstung wird direkt von ausländischen Herstellern bezogen. Nach Angaben des Föderalen Zolldienstes Russlands macht die Einfuhr verschiedener Geräte und Maschinen aus dem Ausland jährlich mehr als 30% aller Importe aus. Die ausländische Ausrüstung kommt hauptsächlich aus China, gefolgt von Deutschland, Italien, USA und Südkorea.

Die LNG-Anlage in Vysotsk, bei der die WR Group der Logistikbetreiber war, bestand beispielsweise aus zwei Produktionslinien mit einer Kapazität von jeweils 40 Tonnen LNG pro Stunde. Die Schlüsselausrüstung für das Projekt wurde aus mehreren europäischen Ländern, den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten, China, Indien und der Republik Korea importiert. Behältertechnik und Separationsanlagen wurden wiederum in Russland hergestellt, teilte das Unternehmen "Kommersant" mit.

Eines der bevorstehenden Großprojekte der WR Group ist die Organisation der Logistik für den im Bau befindlichen Gasumschlagkomplex von Novatek im Hafen von Ust-Luga (Gebiet Leningrad). Im Jahr 2019 begann Novatek mit dem Wiederaufbau des Komplexes, dessen Ausrüstung ebenfalls aus dem Ausland bestellt wurde. Demnächst wird die WR Group Ausrüstung mit Gesamtgewicht von über 620 Tonnen aus Italien liefern, darunter einen großen Reaktor für eine kombinierte Hydrocracking-Einheit (Reaktorlänge - 28 m, Höhe - mehr als 5 m, Gewicht - mehr als 280 Tonnen). Die WR Group wird für den Transport von Großausrüstungen für Novatek selbstfahrende modulare Transporter (SPMT), Kranschiffe und Schiffe mit eigener Ladetechnik einsetzen.

Logistikdienstleister der vierten Generation

Wadim Rosensteins Weg zur Projektlogistik begann 2011 mit der Beratung von Herstellern aus Deutschland bei der Einfuhr von Ausrüstungen nach Russland, und mit der Gründung der WR Certification drei Jahre später fing der Unternehmer an, auch die Zertifizierung und Konformitätsbewertung von Ausrüstungen gemäß den EAWU-Standards und der russischen Gesetzgebung anzubieten. "Während ich den Kunden in allen Exportfragen beriet, habe ich gesehen, welche Dienstleistungen von ihm nachgefragt werden", sagt er. - Und ich habe für mich selbst festgestellt, dass es praktischer ist, Logistik als Dienstleistungspaket zusammen mit Zollabfertigung und Zertifizierung anzubieten, da alle drei Bereiche ein integraler Bestandteil des Exportprozesses von Produkten oder Produktionsausrüstung nach Russland sind". Infolgedessen wurde 2017 die WR Logistics gegründet, und gleichzeitig wurde die Unternehmensgruppe zu einem übergreifenden Projektlogistik-Dienstleister, der zudem eine akkreditierte Zertifizierungsstelle in Russland mitbesaß.

Ein Anbieter komplexer Dienstleistungen ist in der Lage, den größten Industrieunternehmen volle Unterstützung bei Industrieprojekten zu gewährleisten, angefangen mit der rechtlichen Unterstützung bei der Erstellung eines Liefervertrags bis hin zur erfolgreichen Inbetriebnahme der Anlage, was für den Kunden sehr praktisch ist. "Moderne Logistikunternehmen der 4. Generation bieten dem Kunden eine integrierte Lösung an, übernehmen das strategische und operative Management, führen die gesamte Projektkommunikation_ koordinieren Prozesse und übergeben das Objekt schlüsselfertig an den Kunden. Das heißt, wir tragen die volle Verantwortung für alle logistischen Abläufe und Zollverfahren, einschließlich Genehmigungen und Bestätigung der Übereinstimmung der nach Russland importierten Ausrüstung mit den geltenden technischen Regelwerken der EAWU, - sagt Wadim Rosenstein. - Wir nehmen den gesamten Prozess in unsere Regie und sparen dem Kunden Zeit und Geld".

Geld zu sparen ist ein guter Grund, um die Projektlogistik einem einzigen Dienstleister, der für alles sorgt, anzuvertrauen. Beispielsweise kann einem Kunden bei WR Logistics angeboten werden, komplexe mehrteilige Ausrüstungen auf Grundlage eines Klassifizierungsbescheids mit einem HS-Code unmontiert oder zerlegt nach Russland einzuführen. "Das Vorhandensein eines Klassifizierungsbescheids vereinfacht das Zollverfahren für Ausrüstungskomponenten erheblich, spart Zeit bei der Vorbereitung der Dokumente für die Zollbehörden und reduziert die Höhe der zu zahlenden Zollgebühren", - erklärt Wadim Rosenstein. Die Anforderungen an die Qualität der Begleitdokumentationsabwicklung für jede einzelne Ausrüstungscharge steigen, aber "dafür ist die 4PL-Firma da", die die Verantwortung für die Vorbereitung und Kontrolle des gesamten Prozesses übernehmen wird, inklusive Beratung zum Liefervertrag, Markierung und Verpackung der Ausrüstung, Transportabwicklung, Zollabfertigung, Zertifizierung für die Einfuhr der Ausrüstung nach Russland und Inbetriebnahme des Betriebs.

Quelle: https://www.kommersant.ru/doc/4538643